Dervon

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Buchmalerei zum Dervon

Dervon ist der dritte Monat des Jahres.

Beschreibung

Mit dem Dervon beginnt der Frühling. Allenfalls für ein paar Nächte kehrt der Frost ins Herzland zurück, doch sobald die Sonne aufgeht, schmelzen Eis und Schnee dahin. Deshalb wird der Monat in der Gemeinsprache Morgentau genannt.

Auf Feld und Flur, in Wald und Au sprießen täglich neue Gräser und Blumen. Keine davon ist so bekannt und wird so umhegt wie die königliche Staudennarzisse, die vor Jahren der Gesandte eines fernen Reiches dem alten König verehrte. Zeither spricht man erst vom Frühling, wenn diese Blume in prachtgelber Blüte steht. Dann schmückt man die Stadthäuser mit Girlanden aus Fichten- und Tannenreis, behängt sie mit bunten Bändern und verziert sie mit den Blüten der Frühblüher, in wärmeren Regionen sind dies Hyazinthen und Schwertlilien, in kälteren Gegenden der Pestwurz.

Eine besondere Rolle kommt den Brunnen als symbolischem Lebensquell zu. Sie werden unter Anrufung Umandias gereinigt und mit Kränzen aus Kranewitt gekrönt. Während dieser Brauch in den Dörfern fast ausgestorben ist, erfreut er sich in den Städten von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit. Der Schmuck bleibt bis mindestens zu Zernalons Wachstum am 18. Dervon hängen, wenn das Volk mit lauten Umzügen den Winter aus der Stadt treibt. Priester von Levonar und Zernalon ziehen von Brunnen zu Brunnen, segnen das Wasser und besprengen die Umstehenden mit einigen Tropfen.

Jene, die weniger stark im Glauben verwurzelt sind, treffen sich in den Tavernen, um den Tag mit hochgeistigen Getränken zu begießen. Manch' hartgesottene Zechbrüder und -schwestern geben den Krug bis zu Enzociars Frühlingsfest nicht mehr aus der Hand, was ein Erklärungsansatz für die sich alljährlich wiederholenden Geschehnisse jenes berüchtigten Tages sein könnte, deren Niederschrift jedem Schreiberling die Schamesröte ins Gesicht triebe.

Die Bauern haben keine Zeit, um sich derlei Ausschweifungen hinzugeben. Mit dem Lenzing, wie sie den Dervon nennen, beginnt ihre Feldarbeit. Schon vorher wird das Merzvieh geschlachtet, das sich für die Zucht nicht mehr eignet, wobei der Grundherr durch den Blutzehnt seinen Anteil erhält. Nun schmausen sie zwar allabendlich, doch beim ersten Sonnenstrahl legen sie Hand an Pflug und Egge. Während die reichsten Gutsbesitzer mit Pferdegespannen mehrere Tagwerk bewältigen, stapfen die Ochsen der Kleinbauern gemächlichen Schrittes über die Felder. Die Ärmsten schleppen selbst den Hakenpflug, oft nur eine einfache Astgabel, wie es ihre Vorväter schon vor Jahrhunderten vormachten.

Zum Ende des Morgentaus, wenn die letzten Auswirkungen der Frühlingsfeste verdaut sind, ruft die königliche Garde alle freien Bürger von gutem Leumund zur Musterung. Einige Ritterorden und Söldnerhaufen schließen sich dem an und werben im Dervon um Rekruten. Die meisten alteingesessenen Fürsten verzichten aber auf ein stehendes Heer, verlassen sich stattdessen seit jeher auf ihre Ritter und Vasallen, die sie im Falle eines Krieges durch den Heerbann einberufen. Städte halten meist nur eine kleine Garnison an Wachleuten in Lohn und Brot – im Verteidigungsfalle wird ohnehin jeder Bürger zu den Waffen gerufen.

Feiertage