Fetras

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Buchmalerei zum Fetras

Fetras ist der elfte Monat des Jahres.

Beschreibung

In den dreißig Tagen des Fetras fegt eisiger Wind die letzten Blätter von den Bäumen. Der Frosthauch, wie dieser Monat in der Gemeinsprache heißt, gibt einen Vorgeschmack auf den kommenden Winter. Nun überwiegen die düsteren Töne, grau und regnerisch drücken sie auf Land und Leute hernieder. Die Alten haben mehrere Namen für diesen tristen Monat geprägt, die allesamt ähnliche Bilder zeichnen: Windmond, Nebelung und Trauermond zeichnen eine Welt im Zwielicht.

In diesen Tagen richten sich die Dorfbewohner darauf ein, die kommende Jahreszeit innerhalb der Grenzen ihres Ortes, oftmals gar innerhalb der vier Wände ihrer kleinen Hütten zu verbringen. Sie mummen sich in Mäntel und Umhänge, wappnen ihre Häuser mit Brettern, Flachs und Werg, horten Zehrung und Brennholz. Die letzte größere Arbeit ist das Einschlachten: Dazu wird ein Teil des Viehs, das im nächsten Jahr nicht mehr zur Zucht gebraucht wird, geschlachtet und zu allerlei Fleischgerichten verarbeitet. Denn das Futter ist rar und ein kräftiges Schaf im Frühjahr mehr wert als zwei knochige, die sich kaum auf den Beinen halten können. Zudem konserviert die Kälte das Fleisch bis in den Korrons hinein. Die ganze Familie ist mit der Zerlegung, dem Dörren, Räuchern und Pökeln beschäftigt, häufig helfen die Nachbarn tatkräftig mit. Weggeworfen wird nichts: Blut und Eingeweide werden gekocht und gegessen, Füße und Ohren erhalten meist die Armen während Zunge, Wangen und Augen als Delikatesse gelten. Den teuren Luxus, in langer Arbeit und mit exquisitem Gewürz Wurst herzustellen, gönnen sich indes nur die Reichsten.

Stadt und Hof folgen den Vorbereitungen der Bauern in schwächerem Maße. Man richtet sich zwar auf den Winter ein, jedoch nicht in der Aussicht, für mehrere Monate eingeschneit und von der Welt abgeschnitten zu werden. Dennoch kaufen die meisten Handwerker auf Vorrat, damit sie die kurzen Fetras-, Melun- und Jedwintage zur Arbeit nutzen können. Städte füllen ihre Lager und Magazine, der Adel seine Vorratskeller und Kornspeicher.

Wegen seiner ruhigen, melancholischen Stimmung gilt der Frosthauch als Monat der inneren Einkehr. Neriels Studium am 13. des Monats erinnert das Volk daran, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht, und ruft dazu auf, die ruhigen Wintertage zu nutzen, um sich bei Herdfeuer und Kerzenschein fortzubilden. Ob hierzu die Männer Geschichten aus alten Tagen erzählen oder die Frauen bei der Arbeit an Rocken, Spinnrad und Webstuhl Lieder singen, ist der Göttin der Weisheit gleichgültig. Sie schätzt alle schönen Künste gleichermaßen, und wer gar die Gabe des Lesens und Schreibens erlernt, dem öffnen sich trotz winterlicher Eingeschlossenheit ganz neue Welten.

Zur Einkehr gehört nicht nur das Studium, sondern auch Besinnung und Gedenken: Am letzten Tag des Nebelung verbrennt man einen Büschel Werg, um die geheimnisvolle Botin Jimane zu bitten, Lebende und Tote sicher zu geleiten. Die gesichtslose Fürstin hat viele Aspekte: Ihr Stock bietet Sicherheit, ihre Ungreifbarkeit symbolisiert das schnelle Vergessen, ihre Sanduhr lässt die Vergänglichkeit anklingen, ihre ernste Schweigsamkeit erinnert an den Totengott, als dessen Botin sie gilt. Doch Mancher berichtet auch, dass Jimane ihm erschienen sei, um ihn im letzten Moment aus Xzarrus' Klauen zu reißen. In der bekanntesten jener Geschichten führt die Botin eine längst Totgeglaubte sicher aus der Wüste und bewahrt sie somit vor der Unterwelt. Sie wird jährlich an Jimanes Geleit nacherzählt und spendet dem Trauermond einen Funken Licht und Hoffnung.

Feiertage