Bedrevin

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Buchmalerei zum Bedrevin

Bedrevin ist der achte Monat des Jahres.

Beschreibung

Mit dem Bedrevin, der seinem gemeinsprachlichen Namen Gluthitze alle Ehre macht, erreicht der Sommer seinen Höhepunkt. Träge döst das Vieh auf den Weiden, an Bachläufen schwirren Schnaken- und Mückenschwärme, über den Feldern flirrt die Luft. Unter der sengenden Sonne bringen die Bauern die Ernte ein. Wie schon bei der Mahd im Heuert sind Sense und Sichel ihre Hauptwerkzeuge. Mehr als Muskelkraft ist eherne Beharrlichkeit gefragt, damit die Arbeit vieler Hände vor dem Einbruch des Herbstes zu Ende geht. Mithin sind Lohnschnitter gefragt, die als fahrende Erntehelfer von Dorf zu Dorf ziehen, um sich für einen Tages- oder Wochenlohn zu verdingen. Sie durchwandern dabei von Anfang Bedrevin bis Mitte Suarna das ganze Reich von Süd nach Nord.

Traditionell mähen die Männer das Getreide, während die Frauen die Halme zu Garben binden und sie zu Puppen zusammenstellen. Fuhrknechte verladen die Garben und bringen sie zur Scheune, wo sie nach der Trocknung auf der Tenne ausgedroschen werden. Auf dem Feld beginnen unterdessen die Ärmsten des Dorfes mit der Nachlese. Althergebrachtes Brauchtum, das bis in gormische Zeiten zurückreicht, schützt sie, wenn sie die gefallenen Ähren von fremden Feldern auflesen und weder Freibauer noch Grundherr, weder Fürst noch König würde es wagen, die ausgemergelten Gestalten von seinem Grund und Boden zu vertreiben. Eine einzige Garbe bleibt auf dem Feld zurück. In sie flieht die Roggenmuhme, vor der man sich tunlichst hüten sollte.

Der gesamte Bedrevin ist der Ernte gewidmet, derohalben man ihn Ernting, den Erntemonat, nennt. Sämtliche andere Tätigkeit steht dagegen zurück: Markttage beschränken sich auf handwerkliche Erzeugnisse, Turniere finden nur wenige Zuschauer und selbst die Kriegsherren lassen ihre Fehden für einen Monat ruhen. Schließlich ist das Verhältnis zwischen einem Lehnsherrn und seinen Hintersassen von wechselseitiger Abhängigkeit geprägt: Die Bauern genießen Schutz und Schirm ihres Herrn, dem sie dafür nicht nur Treue, sondern einige Tage Frondienst und den Getreidezehnt schulden. Eine gute Ernte sichert den Dörflern das Überleben und spült zugleich Gold in das Säckel der Herrschaft.

Nicht nur die Bauern schwitzen auf den Feldern, auch in den Stadthäusern brüten die Handwerker unter dem kordanischen Drachenfeuer. Wohl den Ministerialen und Schreiberlingen, wohl auch den Händlern und Schneidern, die arbeiten, ohne sich zu regen! Steinmetzen und Zimmerleuten hingegen rinnt der Schweiß von der Stirn, und Bäcker und Schmelzer müssen einen Pakt mit Sarmakand geschlossen haben, um in der Gluthitze nicht zugrunde zu gehen. Färbern verdunstet der Sud, Alchemisten trocknen die Tinkturen ein und Schlachtern verdirbt binnen weniger Tage das Fleisch. Nicht nur sie, sondern alle Stadtbewohner tun gut daran, den Feuergeist allabendlich mit einem kleinen Trankopfer zu besänftigen, damit er ihnen nicht den roten Hahn ins Dach setzt.

Allein die Tempel beider Ordnungen sind vor Hitze und Feuer gefeit, was neben dem Segen der Götter auch den klafterdicken Steinmauern zu verdanken ist. Mehr als in jedem anderen Monat sammelt sich das Volk in den heiligen Hallen des Lichts oder der Dunkelheit, um zu beten, zu meditieren und der drückenden Hitze zu entfliehen. Während mancher Priester die zusätzlichen Besucher willkommen heißt, nutzen die Eiferer beider Seiten die Gelegenheit, um in hitzigen Zeiten wallendes Blut aufzustacheln.

An den wenigen lauen Tagen im Bedrevin trifft sich der Adel auf abgeernteten Feldern und Wiesen, um der Beizjagd nachzugehen. Von wendigen Sperbern über pfeilschnelle Falken bis hin zu den majestätischen Adlern richten die Falkner eine ganze Reihe von Greifvögeln zur Jagd ab. Zuerst müssen die gefiederten Räuber ihre Fähigkeiten an Balg und Federspiel beweisen, um für ein paar Bissen Atzung die Herrschaft zu unterhalten. Anschließend dürfen sie auf freiem Felde jagen, wo sie dank scharfer Augen und spitzer Krallen leichtes Spiel haben.

Feiertage