Visqes Chaosspirale
Visqes Chaosspirale ist ein wenig bekannter Feiertag der Neuen Ordnung, der am 19. Herkas stattfindet. Vor allem in den Ebenen des Nordens verstärkt man vor diesem Tag die Dächer und trägt alles ins Haus, was nicht fest steht. Dann schwingt das Wetter um, Eisstürme ziehen wie große Spiralen über das Land, pfeifen durch das Gebälk und pressen den Schnee durch jede noch so schmale Ritze. Auch am Himmel soll spiralenförmiges Leuchten in roten oder grünen Tönen zu sehen sein, und wieder einmal treiben Aberglaube und Wetter die lichtgläubige Bevölkerung in die Häuser, während die Jünger der Dunkelheit den Segen ihrer Götter erbitten.
In wärmeren Regionen jedoch ist dieser Feiertag kaum bekannt, außer in der dunklen Gemeinschaft. Weit im Süden, wo Schneefall ohnehin an ein Wunder grenzt, liegt nämlich ein Felsmassiv, das den Namen Visqes Chaosspirale trägt. In früheren Jahren brachen einige Jünger der Dunkelheit zu jenem Orte auf und brachten der Göttin Opfer dar. Der Vulkan im Zentrum des Gebirges gilt als geweihter Boden. Der Weg dorthin ist allerdings beschwerlich, denn je weiter man das Herzland hinter sich lässt, desto schlechter werden die Straßen.
Brauchtum
Narretei und Umzüge
Visqe ist nicht nur die Göttin der Zerstörung, sondern steht auch für Abartigkeit und groteske Kunstformen. Sie stellt gängige Schönheitsideale in Frage und hält so sprichwörtlich den Leuten den Spiegel vor, um ihnen ihre eigene Eitelkeit vor Augen zu führen. Eine Narrenwurst verkörpert fleischliche Gelüste, zahlreiche weitere Attribute sämtliche anderen Unzulänglichkeiten des Charakters. Diese Schwächen verkörpert gerade der Narr, und es soll manche Anhänger Visqes geben, die ihr Spiel mit diesem Sinnbild treiben. Freilich haben sie nichts mit Gauklern oder gar Hofnarren zu tun, die bunt und lustig wirken. Dunkel und zerfetzt sind ihre Kleider, verbogen und verrostet die Schellen. Statt farbenfroher Narrenmasken verdecken bizarre Holzmasken ihre Gesichter, verziert mit Warzen, Falten und erbitterten Gesichtern.
Eine Deutung dieses Brauches geht sogar darüber hinaus. Abweichung von gängigen Schönheitsidealen wird hier als Mut zum eigenen Pfad, gar als Willensstärke interpretiert. Die Überheblichkeit der freien Völker gegenüber wilden Kreaturen und Bestien wird durch Tiermasken ins Gegenteil verkehrt, Jäger finden sich in der Rolle der Gejagten wieder. Konformismus, die Anpassung an geltende Werte und Normen war immer schon ein Wesenszug der Alten Ordnung, und wird hier vor aller Augen angeprangert.
Möglich ist auch, dass die Narrenmasken mit einem anderen Brauch zusammenhängen. So zogen zu ähnlicher Zeit die Einwohner mancher Dörfer lärmend und johlend durch die Straßen, um den Winter auszutreiben. Dabei trugen sie Tiermasken, die in gewissen Belangen den Narrenmasken Visqes ähneln. Mit den Göttern hatte die Winteraustreibung jedoch nichts gemein, sie geht auf regionales Brauchtum zurück.
Das Ende des Winters
Von manchen Orten wird erzählt, dass Visqes Chaosspirale Anlass eines großen Festes war, um die Wintervorräte aufzubrauchen. Die Feierlichkeiten bestanden aus dem letzten Festmahl vor einer Zeit des Hungerns und Darbens, die so lange währte, bis der Schnee endlich verging und die ersten Früchte auf dem Tisch landeten. Zwar war mit dem schwindenden Schnee nicht gleich die Existenz gesichert, doch kehrte die Hoffnung zurück und das neue Jahr füllte sich mit Leben.