Astulin
Astulin ist eine Metropole, die im Osten Dagruns liegt. Sie war lange Jahre Zentrum des gleichnamigen Stadtstaats, Wiege der dagrunischen Kultur und hatte sich bereits zur Hochkultur entwickelt, als die Menschen Gorms seßhaft wurden.
Inhaltsverzeichnis
Die Stadt
Astulin ist die Stadt des Herbstes. Zum quadratischen Palast des Präfekten im Zentrum führen zwei senkrecht zueinander verlaufende Straßen, deren Seiten von großen Buchen und Eichen gesäumt sind. Fast das ganze Jahr über rascheln goldene Blätter im Wind, zusammen mit den roten oder braunen Backsteinhäusern tauchen sie die Stadt in einen warmen Farbton. Am Fluss befindet sich ein kleines Dock, das von einem Wachturm am Ende des künstlich aufgeschütteten Kais bewacht wird. Des Weiteren ist die Kapelle des knöchernen Todes auf dem Hügel südlich Astulins erwähnenswert, in der offen die Anbetung Xzarrus' praktiziert wird.
Unzählige rote Klinkerziegel, deren von Weinreben überwachsenes Muster hoch in den Himmel ragt, formen die breiten Steinhäuser der Altstadt Astulins; eine dicke, relativ flache Mauer zieht sich kreisrund um den inneren Kern und bildet den Schutzwall der Metropole. Das weltliche und geistige Zentrum der östlichen Tiefebenen, das sich zu beiden Seiten des Mardisufers erstreckt, ist das Tor zur kalten Einöde; als Stadt der Kaufleute und Händler genießt Astulin den Ruf einer blühenden Oase in der weitgehend unzivilisierten Wildnis, die faktisch gleich nach den Stadttoren beginnt.
Palast des Präfekten
Der Regierungssitz liegt in im zentralen Park, den eine mannshohe Mauer vom Rest der Stadt trennt. Er ist aus unzähligen schlanken Rundtürmen erbaut, die wie willkürlich aneinandergeklebt erscheinen und allesamt verschieden hoch sind. Sie sind von reich verzierten, farbigen Zwiebelhauben gekrönt, so dass das weltliche Zentrum einer Kathedrale gleicht. Neben der Administration des Stadtstaates befindet sich auch die militärische Führung, die nur zwanzigköpfige zwergische Leibgarde trägt den Namen der Stadt ebenso in die Welt wie der rege Handel.
Hermetische Akademie
Ein Wahrzeichen der Stadt ist der riesige Rundturm der hermetischen Akademie; in ihm finden sich zahlreiche Schriftstücke, Versuchsobjekte und Apparaturen, welche allesamt zum Sektor der Alchemie gehören. Das spitze Dach lässt den Turm noch einmal höher erscheinen, es ist auch für die Befestigungsanlagen charakteristisch. Wie in einer Bibliothek reihen sich Regale an den Wänden, doch sind statt der Bücher vor allem körnige Substanzen und Pulver in kleine Kästchen geordnet und sorgfältig katalogisiert. In einem anderen Stockwerk befinden sich Regale mit Halterungen; dunkle und helle, trübe, transparente und fluoreszierende Essenzen werden in Glaskolben aufbewahrt, um bei Bedarf sofort zur Verfügung zu stehen. Das oberste Stockwerk schließlich wird fast zur Gänze von einer Apparatur eingenommen, die zwar sehr komplex erscheint, im Wesentlichen jedoch wenig mehr als ein großer Destillationsapparat ist, der direkt in eine Retorte mündet, um die Stofftrennung noch einmal zu intensivieren. Ein großer Athanor gegenüber der Treppe wird von hölzernen Tischen und einer Anrichte gesäumt, auf der Mörser und Stößel stehen. Das Dreibein im Kamin, welches zur Calcination dient, rundet das Bild der Alchemistenstube ab; Bücher und Notizzettel sind im ganzen Raum verstreut, ein Totenkopf und ein Silberdolch hauchen dem Turm eine mystische Aura ein.
Hafenviertel
Der Sitz der Königlichen Handelsgesellschaft befindet sich in einem gutbürgerlichen Haus am Hafen; Lagerhäuser und Kornkammern machen das Viertel hinter dem Handelshaus aus und füllen die Kassen der Stadt. Da in den Ländern des Dagrunischen Bundes verhältnismäßig wenig Ackerbau betrieben wird, importiert der Bund das Getreide aus den Ostländern. Per Schiff wird es nach Astulin gebracht, hier eingelagert und dann mit Hilfe von Karawanen ins Herzland gebracht. Doch nicht nur Getreide; auch andere Waren, deren Herstellung der königlichen Handelsgesellschaft vorbehalten ist, werden hier umgeschlagen. So verlassen oftmals stark bewachte Trecks mit Handelsmaterialien die Stadt, und ab und zu spricht man sogar davon, dass eine Kutsche Kisten geladen hat, deren wertvoller Inhalt direkt aus den königlichen Edelsteinminen stammt.
Kapelle des knöchernen Todes
Auf einem spärlich von Bäumen bewachsenen Hügel im Süden der Stadt erhebt sich die Kapelle des knöchernen Todes, in der offen die Anbetung Xzarrus' praktiziert wird. Das kreisrunde Erdgeschoss, dessen Außenwand von vierundzwanzig Säulen mit einfachem Kapitel unterbrochen wird, misst in der Höhe ungefähr fünf Schritt. Die Säulen gehen nach oben in Rundbögen über, die mit der Mauer verschmelzen, zwischen je zwei von ihnen befindet sich ein hohes, schmales Fenster. Die Mauer des ersten Stocks ist etwas zurückgesetzt, so dass eine Galerie rund um die Kapelle führt, die von einem Zinnenwall eingefasst wird. Auf diesem steht über jedem Fenster eine steinerne Statue; Krieger, Magier und Gelehrte reihen sich rund um die Kapelle auf, sie alle tragen Symbole der Neuen Ordnung. Wandert der Blick noch höher, so fällt die relativ flache Kuppel aus ebensolchem Stein auf; in ihrer Mitte ist ein Dorn aus Adamant angebracht, der bei Sonnenschein weit über die Ebene hinaus glänzt.
Der Innenraum ist karg eingerichtet, die hintere Hälfte fast komplett leer, als wäre nach dem Bau die Einrichtung vergessen worden, die vordere Hälfte befindet sich auf einer erhöhten Stufe und wird durch ein einfaches Holzgeländer vom Rest der Kapelle getrennt. Den spartanisch anmutenden Altarraum dominiert ein schwarzer Marmorquader, auf dessen mehr als faustdicken Platte zwei fünfarmige Kerzenständer und eine metallene Knochenhand stehen.
Tempel des Lichts
Der Tempel des Lichts liegt auf einer Flussinsel. Er ist derart groß und bekannt, dass er oft schlichtweg der Tempel genannt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden der Stadt wurde er nicht aus Klinkerziegeln erbaut, sondern aus importiertem Granit, weshalb er manchmal auch grauer Tempel genannt wird. Er ist den Lichten Fünf geweiht.
Aus den Sammlungen der Geschichte
An den Leiter der Plantage
Sirillion Manwe,
es ist keine Zeit mehr. Ich kann mir eure Beteuerungen nicht weiter leisten. Auch die Ladung des letzten Schiffes war infiziert und meine Alchemisten beteuern, dass es an eurem Getreide liegt. Die Hälfte meiner Bevölkerung liegt darnieder, gestern trat gar meine jüngste Tochter in Xzarrus' ewige Hallen ein. Ich kann nicht weiter zusehen.
Ab dem heutigen Tage werde ich keinerlei Waren mehr von euch annehmen, euer Getreide und eure Schiffe werden soeben im Hafen verbrannt, eure Seeleute aus der Stadt gejagt. Solltet ihr mir persönlich unter die Augen kommen, so garantiere ich Euch, dass ihr für das Leid, das ihr über Astulin gebracht habt, in eigener Person büßen werdet.
Caius Clavicus, Präfekt Astulins, im Jahre des Ausbruchs der Pest
An den König des Königreiches Dagrun
nachdem meine letzten zwei Gesuche ungehört blieben, bitte ich euch noch einmal inständig um die sofortige Entsendung von Nahrungsmitteln, ansonsten wird Astulin binnen eines Monats zur Geisterstadt werden. Wir haben weder saubere Nahrung, noch Ärzte, Alchimisten und Heiler, die noch Rat wüssten. Erinnert euch des alten Bündnisses und gesteht uns die Hilfe zu, oder Ihr werdet die Nächsten sein, die diese Seuche dahinrafft.
Caius Clavicus, Präfekt Astulins, im zweiten Jahre des Ausbruchs der Pest